Tibetisches Ritual Kalachakra

Einleitend sei vorweg festgehalten, dass es sich bei „Kalachakra“ um das wahrlich höchste und gleichzeitig komplexeste Ritual des tibetischen Buddhismus handelt. Die fundamentale Basis dieses Rituals bzw. des ganzheitlichen Buddhismus wird durch Aspekte wie Weisheit, Mitgefühl, Toleranz sowie allgemeine Offenheit und Extravertiertheit gegenüber sämtlichen Menschen und Wesen gebildet.

Genau genommen möchte das Ritual des Kalachakra die individuellen Kräfte des Mikrokosmos sowie des sogenannten Makrokosmos miteinander in Einklang bringen und eine gewisse Harmonie zwischen diesen beiden Kosmen schaffen. In diesem Zuge wird jeder Buddhist einer komplexen Initiation ausgesetzt. Dabei handelt es sich um einen „Prozess“ bzw. „Ablauf“, durch den der jeweilige Buddhist von seinem Lehrer bzw. Mentor geführt wird. Bezüglich dieses soeben angesprochenen Lehrers bzw. Mentors sei festgehalten, dass sich der Buddhist, welcher in diesem Sinne auch als „Schüler“ angesehen werden kann, seinen Lehrer als Kalachakra-Gottheit vorstellt. Folglich erfolgt eine Assoziation des Lehrers mit einer Gottheit im Sinne des Kalachakra-Rituals, wodurch die einzelnen Zyklen der aktuellen Zeit dargestellt und repräsentiert werden sollen. Um dieses Prozedere dementsprechend veranschaulichen bzw. visualisieren zu können, wird ein vielfärbiges Sandmandala verwendet. Dieses wird infolgedessen von den jeweiligen Mönchen des Dalai Lama gestreut. Als aussagekräftiges Symbol dafür dient ein Zeichen, das Körper, Geist und Seele als ein in sich stimmiges Spektrum vereint.

Weiters sei im Hinblick auf dieses Sandmandala erwähnt, dass dessen Mittelpunkt durch die Gottheit Kalachakra selbst – gemeinsam mit seiner Gefährtin – gebildet wird. Beide zusammen präsentieren sie sowohl Methode als auch Weisheit – genau genommen die wichtigsten Aspekte auf dem Weg zur Erleuchtung. Dabei soll jenes Ziel erreicht werden, das darin besteht, ein ausgeglichenes und harmonisches Loslösen von jeglichen egoistischen Umständen und Gegebenheiten zu erwirken. Das Wohl aller Menschen und Wesen steht also im Zentrum des Geschehens.

Betrachtet man den Terminus „Kalachakra“ abschließend aus einem rein etymologischen Blickpunkt, so wird deutlich, dass das Sanskrit-Wort „Kala“ soviel bedeutet wie „Zeit“ bzw. „Rhythmus“, „chakra“ sich hingegen auf „Rad“ bezieht.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.